Figurentheatertage 2012

 7.-10. Juni 2012

Figurentheater 2012

Grinsekatze macht den Anfang

Figurentheatertage haben begonnen

Wenn eine kleine Maus auf Weltreise geht, hat sie eine Menge zu erzählen. Das Figurentheater „Grinsekatze“ aus Recke mit Chris Hesse als Spieler hat am Donnerstag vor etwa 60 Zuschauern die Figurentheatertage im Kulturspeicher Dörenthe eröffnet. Das Stück „Liebe Grüße, Deine Tilda“ nach der Kinderbuchserie von Andreas H. Schmachtl schickt das abenteuerlustige Mäuschen Tilda Apfel- kern einmal rund um den Erdball. Den Freunden zu Hause berichtet sie auf Postkarten von ihren aufregenden Erlebnissen. Die kleinen Zuschauer verfolgten konzentriert das Geschehen auf der Bühne und reisten mit Tilda von England bis nach Kanada. Dabei erfuhren sie etwas über verschiedene Käsesorten, die elegant gekleideten Be- wohner des Südpols oder süßen „Baumsirup“, der auf Pfannkuchen sehr lecker schmeckt. Dafür ist der Regenwald in Südamerika echt gefährlich, denn eine Anakonda schlängelt sich durch die Lianen und „mit dem Erdbeerfrosch ist nicht gut Kirschen essen“.  Text: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 9.6.2012

Heinzelmännchen begeistern noch heute

Drei-T-Theater aus Köln spielt Klassiker

„Sie kommen bei Nacht, eh man`s gedacht. (…) Und eh ein Faulpelz noch erwacht, ist all sein Tagewerk gemacht“. Die Rede ist natürlich von den Heinzelmännchen. Am Freitagnachmittag waren sie im Rahmen der Figurentheatertage im Kulturspeicher in Dörenthe zu Besuch und unterhielten gekonnt mit ihrer Puppenspielerin Elke Siegburg aus Köln das junge Publikum. Wer träumt nicht davon, abends in sein Bett zu gehen und all seine Arbeit am nächsten Morgen beim Aufstehen erledigt vorzufinden? Genau das passiert der Frau Schuster im Stück „Die Heinzelmännchen von Köln“, gespielt von Elke Siegburg vom Drei-T-Theater in Köln. Einen Schuh haben sie und ihr Mann nicht mehr fertigstellen können und am nächsten Tag waren die Sohle und der Absatz wieder wie neu. Frau Schuster ist sich sicher: Das müssen die Heinzelmännchen gewesen sein. Doch im Gegensatz zu Frau Schuster glaubte ihre Freundin, Frau Schneider, nur an  Dinge, die sie wirklich sehen kann. Deshalb stellt sie den Heinzelmännchen eine Falle – gegen den Rat ihrer Freundin, die der Überzeugung ist, dass man die kleinen Männer bei der Arbeit nicht sehen dürfe und sie sonst nie wieder kommen. Und tatsächlich schafft Frau  Schneider es, die fleißigen Männer bei der Arbeit zu erwischen, woraufhin diese für immer verschwinden und alle Bürger ihre Arbeit wieder selber verrichten müssen. Mit viel Witz und Charme schaffte es Elke Siegburg, mit der musikalischen Unterstützung von Stefan Wunsch und unter der Regie von  Anne Swoboda den alten Klassiker der Heinzelmännchen wiederzubeleben und das Publikum zu begeistern.  Die Künstlerin, die das ursprüngliche Heizelmännchengedicht durch kleine Szenenänderungen und -ergänzungen zu einem gelungenen Puppentheaterstück  machte, ist die Geschichte der kleinen Männchen besonders wichtig: „Die Heinzelmännchen liegen mir sehr am Herzen, da sie aus  meiner eigenen Kindheit stammen und vor allem der Sprechrhythmus des ursprünglichen Gedichts mir sehr gut gefällt“.

 

Figurentheater trifft Schatten- und Schauspiel

Mit einer Mischung aus Figurentheater, Schatten- und Schauspiel erzählte Meike Kreim vom Papperlapapp-Puppentheater aus Leipzig am Samstag das Märchen der Prinzessin auf der Erbse. Manchmal steht das Glück vor einer anderen Tür, wie die etwa 30 Zuschauer bei der Aufführung im Kulturspeicher amüsiert erfuhren. Annekatrin Heyne und Martin Kreim hatten bei der Inszenierung die technische Ausstattung in den Händen, Regie führte Anne Swoboda.

Huhn und Hahn retten die Welt
Theater „7Schuh“ nutzt das Nähkästchen

Nähkästchen scheinen ziemlich aus der Mode gekommen zu sein. Jedenfalls konnte sich keiner der Zuschauer im Kulturspeicher Dörenthe an solch ein nützliches Utensil in seinem Haushalt erinnern. Dafür lauschten alle gespannt den Geschichten, die Anne Swoboda am Samstag aus den einzelnen Fächern hervorzauberte. „Aus dem Nähkästchen geplaudert…“ hieß das Programm des 7Schuh-Theaters aus Görlitz, das sich an Kinder wie Erwachsene gleichermaßen wandte. Anne Swoboda verfügt über mehrjährige Theaterpraxis im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters. Ihr gelang es wunderbar, mit kleinen Handpuppen oder Tieren aus weißer Künstlerknete der Fantasie Flügel zu verleihen. Direkt vor den Augen der Zuschauer formte die Puppenspielerin mit geschickten Handgriffen die Figuren, mit denen ein Märchen aus Norwegen lebendig wurde. Das Huhn Puhn will unbedingt die Welt retten und macht sich mit Hahn Pahn, Ente Pente und Gans Pans auf den Weg. Unterwegs begegnen sie dem Fuchs Puchs, der ihnen ein warmes Quartier in seiner Höhle verspricht. Für zwei Reisende nimmt der Ausflug ein böses Ende, doch Huhn und Hahn kommen mit heiler Haut davon. So können sie sich auf den Weg zum Berg Dovrefjell machen, um die Welt zu retten. Was auch immer die Puppenspielerin aus ihrem Nähkästchen hervorholte, es diente dazu, den Geschichten Leben einzuhauchen und märchenhafte Stimmungen zu erzeugen. Eine Häkelnadel verwandelte sich in dem Märchen vom Fischer und seiner Frau in eine Angel. Daran zog der arme Mann den in einem Fisch verwandelten Prinz aus dem Wasser. Warum das Meerwasser salzig ist, war aus der Sage von der Zaubermühle zu erfahren. Aus Papier faltete Anne Swoboda eine Papierfigur, die auch als Himmel-und-Hölle-Spiel bekannt ist. Damit illustrierte sie den Fortgang des spannenden Gescehens. Nach der Vorstellung bewunderten die Besucher die Mini-Handpuppen, die in einer Blechbüchse Platz fanden und tatsächlich alle in das Nähkästchen passten.
Vom Hund Wuff und einem lieben Poltergeist Eigentlich sollte Tante Schrecklichs Wachhund aufpassen, dass ein entlaufenes Gespenst sich nicht in ihrer Wohnung verirrt. Wuff war auch sehr aufmerksam, doch die Kinder im Publikum hatten Polly zuerst entdeckt. Mit liebevoll gestalteten Marionetten unterhielten am  Sonntagnachmittag Dagmar und Harald Voß die kleinen und großen Zuschauer im Kulturspeicher Dörenthe mit Gesang und einem spannenden Puppenspiel. Die Kinder durften mitspielen und -singen und freuten sich über viele lustige Erlebnisse mit Tante Schrecklich, Wuff, Gärtner Knolle und dem lieben Poltergeist Polly. Der spielte allerdings am liebsten „Leute erschrecken“, weil das die Lieblingsbeschäftigung von Gespenstern ist. Zum Schluss durften sich die Kinder hinter der Bühne die Puppen aus der Nähe anschauen.
Vergnügliches für die Großen Erwachsenenstück „Krise mit Luise“ beschließt Theatertage Dass Hugo seiner Luise die Zähne versteckt hat, ist schon ein starkes Stück. Glaubte er wirklich, dass sie deshalb auf ihren Kegelabend verzichtet? Nix da – das fiel dem resoluten Drachen in Hugos Haushalt gar nicht ein. Der Arme hatte in puncto Frauen schon so einiges durchgemacht und mit Luise hatte er auch nicht gerade das große Los gezogen. So richtig wohlfühlte er sich lediglich in der Bahnhofschenke, denn dort hat er mit „de Weibers“ nichts zu tun. Das einzige Problem an diesem gastlichen Ort besang er mit rhythmischem  Schwenken der Bierflasche: „An der Theke haben alle keine  Knete“. Sein Freund Willi ist immer mit von der Partie und auch der kann nicht genug klagen über die wundersame Welt der Frauen. Seine Frieda bringt  ihm zwar morgens den Kaffee ans Bett, doch was sie sonst so umtreibt, bleibt ihm verborgen. Dagmar und Harald Voß spielten das Stück „Krise mit Luise“ mit meisterlicher Führung ihrer Marionetten, Gesang, Wortwitz und provokanten Dialogen. Durch die Bewegungen und den veränderten Lichteinfall schienen die Figuren zu  leben und immer wieder ihren Gesichtsausdruck zu verändern. Das kurzweilige Vergnügen honorierten die etwa 70 Zuschauer am Sonntagabend mit viel Applaus. Texte und Bilder: Brigitte Striehn, veröffentlicht IVZ 12.6.2012

Drei Fragen an Mitorganisator Chris Hesse

Chris Hesse, Figurentheater Grinsekatze aus Recke, war maßgeblich an der Organisation der vier Figurentheatertage beteiligt.
Sie haben die ersten Ibbenbürener Figurentheatertage organisiert, nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Gruppen eingeladen?
Hesse: Es sollten bekannte Theatergruppen sein, um eine bestimmte Qualität zu gewährleisten. Zudem kannte ich selbst viele der Akteure von der Freien Bildungsstätte für Figurentheater Hof Lebherz in Warmsen. Anne Swoboda, die hier mitgewirkt hat, arbeitet dort als Dozentin.
Erlebt das Figurentheater gerade eine Renaissance? 
Hesse: Ja, ich glaube schon, dass sich derzeit auch Erwachsene wieder mehr für diese Kunstform interessieren. Wahrscheinlich spielen dabei Kindheitserinnerungen, wie die  Augsburger Puppenkiste, eine Rolle.
Welches Fazit ziehen Sie aus der Veranstaltungsreihe, wie wird es weitergehen?
Hesse: Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden und sehen die vier Tage als vollen Erfolg. Natürlich freuen wir uns, dass die Vorführungen und auch das Theatercafé so gut angenommen wurden und planen auf jeden Fall eine Fortsetzung nächstes Jahr.